Schreibe Musik

In dieser Woche habe ich viel geschrieben – praktisch alle Texte der Academy sind überarbeitet. Insgesamt erinnert mich das intensive, immer sorgfältige Schreiben an Klausur und Referate – die liegen gefühlt 100 Jahre hinter mir und haben doch nichts von ihrem Zauber verloren. 

 
Bei Recherchen mache ich eine schockierende Beobachtung: wir befinden uns inmitten einer Invasion der UMBRÜCHE:

 

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Wenn man die Blogs da draußen liest,

kann man eine wirklich seltsame Entwicklung beobachten. 

Achte mal darauf, wenn du demnächst im Internet von Blog zu Blog surfst.

Die Leute benutzen Umbrüche,

als würden sie für die Liga der Tiefbegabten schreiben.

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Internet-Schreibexperten haben wohl herausgefunden, dass der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne der geneigten Leserschaft durch den exzessiven Gebrauch von Umbrüchen Einhalt geboten werden kann.

 

Woraufhin ich mich gefragt habe, ob ich das auch machen muß. Die Idee hinter den Umbrüchen ist die, dass Leute, die zu derart geschriebenen Beiträgen finden, die einzelnen Sätze EINEN NACH DEM ANDEREN zu Ende lesen. Denn natürlich will der Autor, dass die Suchmaschine am Verweilen meiner Besucher erkennt, dass dort sinnvoll konsumierbare Inhalte stehen. 

 

Gleichzeitig gibt es ja einen Grund, aus dem heraus ich einen inneren Widerstand gegen diese Vorschul-Lesart verspüre. Es ist der Rhythmus, die Satzmelodie. Die bleibt bei der abgehackten Schreibweise auf der Strecke. Es ist ganz einfach anstrengender, sich auf Duktus und Schwingung eines Autors einzulassen. Weil das mehr Tiefe hat und Tiefe ist anspruchsvoll. Man stelle sich vor, ein Buch auf die oben demonstrierte Weise zu lesen – niemand würde je die letzte Seite zu Gesicht bekommen! 

 

Da im stop-and-go der kurzen Schlagwort-Sätze jede Zeile wie ein Partyhäppchen aussieht, das man nicht liegenlassen kann, bleibt der Leser dran. All' das mag funktionieren – schön ist es nicht.

 

Genau in dem Moment, in dem ich mich frage, welche Haltung ich dazu einnehmen soll, erscheint ein Klassiker des Schriftstellers Gary Provost in meinem Blickfeld. Der Mann selbst wirkt wie eine Mischung aus ‘Der Mann aus den Bergen’ und Helge Schneider, wurde nur 51 Jahre alt und verfasste in seiner Autorenzeit unter anderem den Klassiker ‘100 Ways to Improve Your Writing’. Aus dem stammt auch das untenstehende Bild eines Beispieltextes. Was für eine Wohltat!

Nun – jedenfalls, wenn ich eine Geschichte erzählen will. In den Lektionen der Online-Schule ist es eventuell tatsächlich gelegentlich hilfreich, öfter mal umzubrechen. PRO-TIPP: alternativ erzielt eine etwas lichtere Zeilenhöhe ebenfalls eine frischere Lesart.
 

Gib' alles – 

 

PS.

Habe beschlossen, offen für eine:n Mentor:in oder ein:e RUNNING MATE zu sein. Das Universum wird mir gewiß eine:n senden, ansonsten werde ich den Bruder des Universums, Herrn Google fragen. Mein:e ideale:r Mentor:in sollte sich in der Melange aus Email Marketing, Social Media und Selbstdarstellung auskennen und definitiv humorbegabt sein. Mal sehen, wen mir das Universum schickt.

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