Nimm' dir Zeit!

Wenn ich morgens beim Kaffeekochen aus dem Fenster schaue, fällt mein Blick auf einen ein paar Meter langen Streifen entlang eines Weges vor unserem Haus, auf dem drei ausgewachsene Bäume stehen.

Vor drei Jahren mochte ich den lieblosen Streifen aus Gras und Unkraut nicht mehr jeden Morgen als Erstes ansehen. Ich besorgte einige Eisenbahnschwellen und füllte den Bereich um die Bäume mit guter Erde auf.

Da unter dem neuen Beet ein fester Schotterweg liegt, trocknet das Beet rasch aus, weshalb wir an heißen Tagen wässern – Wasser schöpfen wir aus dem nahen Kanal.

In den ersten beiden Jahren war die Versorgung der Guerilla-Gardening-Parzelle einigermaßen mühsam, denn wir wollten kein Geld in Pflanzen investieren, um unsere – auch emotionale – Bindung an das Projekt gering zu halten.

Man kann auch nicht wissen, ob auf dem angrenzenden Grundstück demnächst gebaut wird oder Vandalen durch die kleine Rabatte trampeln. In drei Jahren erlebten wir eine Vielzahl unerwarteter Trittbrettfahrer und Ignoranten, aber auch Bewunderer, deren Begegnungen ein hübsches Büchlein voller Kurzgeschichten füllen könnten.

Aber die beste Erfahrung kam erst diesen Frühling: das Gärtlein hat zu unserer Überraschung ein biotop-artiges Eigenleben entwickelt.

Das Pflanzenwerk aus Blüh- und Grüngewächsen ist dichter als in den vorigen Frühsommern, der Austrieb aller Pflanzen ist erheblich kraftvoller und trotz der nur wenige Zentimeter starken Humusschicht finden wir dicke Regenwürmer und anderes Getier, sobald wir in der Erde graben. Unkraut haben wir praktisch keines mehr, seit wilde Walderdbeeren blühen und fruchten, das ganze Jahr lang.


Warum plaudere ich hier übers Guerilla Gardening?


Weil so ein Gärtchen, so klein es auch immer sein mag, einfach seine Zeit braucht, um Wurzeln zu treiben und Grundlagen für seinen Selbsterhalt zu bilden.

Genau wie jedes Marketing.


Gelegentlich frage ich mich: "Wende ich die richtige Methode an, um meinen Newsletter zu schreiben?" Das ist tatsächlich eine Frage, die ich mir recht oft gestellt habe.

Bevor nämlich die Eigendynamik des Wachstums (eines Blogs) an Fahrt aufnimmt, kommen einem manche Hindernisse, Durststrecken und Rückschläge wie Signale vor, dass es so viel leichter wäre, einfach das Handtuch zu werfen. Auch höre ich diesen populären Satz erschreckend oft: "Ich habe [Marketingmaßnahme] ausprobiert und es hat nicht funktioniert".

Und ja, manchmal passt eine Taktik nicht zu deiner Gesamtstrategie, zum Beispiel: so sehr ich persönlich Twitter mag, ist eine intensivere Präsenz auf Twitter derzeit keine gute Taktik für mein Online Business.
Oft kann man es erkennen, dass eine bestimmte Strategie für jemanden aus ganz trivialen Gründen nicht funktioniert hat: man gab der Strategie nicht genug Zeit.

 

Bloggen braucht Zeit.


Bloggen, zum Beispiel braucht Zeit, um Vertrauen und damit Autorität aufzubauen. Wer damit beginnt, die eigenen Standpunkte als schriftlichen Mehrwert zu veröffentlichen, sollte mindestens ein Vierteljahr oder gar ein halbes Jahr lang überhaupt nicht auf die Leserzahlen schauen, nachdem der Blog selbst und eine Content-Marketing-Kampagne zur Sichtbarkeit des Blogs gestartet wurde. (Und ohne aktive PR für den Blog dauert es natürlich viel, viel länger oder auch ewig.)


Dummerweise erfordert das Abwarten und Aushalten ein belastbares Nervenkostüm. Du bist kein Fan des Schreibens? Dann wirst du sicher nicht deine gesamte Marketingstrategie auf das Schreiben von Blog-Inhalten aufwenden wollen - vielleicht ist es für dich besser, einen Podcast zu starten oder du wirfst dich voll auf Instagram? Sei dir bewusst, was deine Stärken sind und konzentriere dich darauf.

DU SELBER gibst dir die Erlaubnis, jede Woche ZEIT FÜR's MARKETING einzusetzen.

Es ist zwar sehr leicht, dein Marketing auszusetzen oder zu verschieben – vor allem, wenn du mit deinem Job, mit Kunden/Klienten/Supportern/was-auch-immer bereits voll ausgefüllt bist. Aber auch ohne rasch messbare Ergebnisse wirst du mit der Zeit feststellen, dass Leute, die Kontakt zu dir aufnehmen, genau deine Sprache verwenden, weil sie sich in deine Welt eingefunden haben.

Auch werden zukünftige Kunden und Studenten weniger Fragen stellen, bevor sie sich für eine Zusammenarbeit mit dir entscheiden (oder dein Produkt kaufen), weil sie durch deine beständige Vorarbeit und Pflege schon einen gewissen Informationsschatz aufgebaut haben.

Leicht nachvollziehbar verwandelt sich hier die Weitergabe deiner Handreichungen in eine Bindung zu dir und deinem Angebot, lange bevor der erste Kauf erfolgt. 

Ähnlich dem mit der Zeit wachsenden Wurzelwerk eines Gartens sind die meisten nachhaltigen Marketing-Bemühungen nicht besonders schnell. Was einerseits einfach Mist ist, aber es ist auch irgendwie genial, weil die Langsamkeit sich über Jahre hinweg auszahlen und allmählich entstehen kann.

Das ist es, was man unter ORGANISCHEM WACHSTUM versteht.


Ich fand es schön, ein so anschauliches Beispiel für – buchstäblich – organisches Wachstum vor der eigenen Nase vorzufinden. Hast du eine Frage wie diese über Online-Marketing, Websites, SEO usw.? Ich würde sie gerne in einem zukünftigen Newsletter beantworten – ein Kommentar hier auf der Seite genügt.

 

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